Haribo - eine deutsche Erfolgsgeschichte mit Süßwaren
Freitag, 6. April 2012
Die Gummibärchen von Haribo sind ein Klassiker
Ein süßer Bär wurde 90 Jahre alt
Haribo gibt es fast in der ganzen Welt - die Erfolgsgeschichte begann in einem Hinterhof
Nicht alle Branchen leiden unter der Finanzkrise. Der Umsatz an Lippenstiften stieg sogar, es wird Musik zum Trost gehört und es werden Süßigkeiten genascht. Das Familienunternahmen Haribo (Hans Riegel Bonn) besteht seit 13. Dezember 2010 nunmehr 90 Jahre und nicht nur in Deutschland. Nach eigenen Angaben ist die Firma Weltmarktführer im Bereich "Fruchtgummi und Lakritze". Das liegt an verschiedenen Faktoren. Einmal an dem Sortiment, wobei der Goldbär das bekannteste Produkt sein dürfte. Ferner an der Werbefigur Thomas Gottschalk, der dem Unternehmen mit seinen witzigen Fernsehspots einen Bekanntheitsgrad von fast 100 Prozent bescherte. Gottschaltk selbst erhielt für die längste Werbepartnerschaft der Welt eine Auszeichnung durch "Guiness World Records Ltd.".
Die wichtigste Strategie aber war die der Expansion in andere Länder. 1935 wurde die Haribo Lakrids AIS Kopenhagen gegründet. Es folgten Vertriebsniederlassungen in Norwegen, Finnland, Polen, Spanien, USA, Slowakei, Australien, Portugal, Tschechien, Österreich, Schweden und Russland. Damit nicht genug. Haribo ging auch etliche Male auf Einkaufstour. 1957 wurde die Firma Kleutgen & Meier übernommen. Es ist die Godesberger Firma, in der Hans Riegel als Bonbonkocher mit seiner Passion begonnen hatte. 1961 greift die clevere Familienfirma nach der niederländischen Bonera Industrie. 1967 werden Anteile der französischen Süßwarenfabrik Lorette erworben. 1985 kauft Haribo Ricqles Zan, einen Hersteller aus Südfrankreich. 1990 gehören 100 Prozent aller Aktien des italienischen Unternehmens Sidas Dolcia Ria S.p.A. ab sofort zu Haribo. 1993 verleibt sich Haribo auch den renommierten Zahnpflege- und Hustenbonbonhersteller Vademecum ein. 1996 kommt die belgische Firma Dulcia unter den neuen Namen Haribo Belgie B.V.B.A. Gleichzeitig werden Speck-Produkte vermarktet und ab 2007 als Haribo Chamallows angeboten. Ab 1998 gehört der spanische Süßwarenproduzent Deldul S.L. in Alicante zur deutschen Firma Haribo. Nur zwei Jahre später kauft die Geschäftsleitung den niederländischen Hersteller von Lakritz-, Hart- und Weichschaumartikeln auf. Selbst die Türkei firmiert seit 2001 unter neuem Namen, da der türkische Fruchtgummi- und Schaumzuckerhersteller Pamir Gida Sanayi A.S.übernommen wurde. Das Sortiment ist von Land zu Land verschieden. Auch die Geschmäcker der einzelnen Nationen. So m\'f6gen die Franzosen Schaumzucker-Produkte sehr gerne, die Briten hingegen stehen auf "Starmix". Die Skandinavier mögen es ausgewogen mit dem "Matador Mix", wo sich Fruchtgummi mit Lakritz paaren. Amerikaner lieben ihre "Gold-Bears", die Polen schlecken "Zlote Misie" (Goldbären) und die Spanier ihre "Ositos de oro" (Goldbären). Neu im deutschen Angebot waren die kandierten Fruchtgummistücke "Ingwer-Zitrone", eine gelungene Mischung aus saurere Zitrone und mild-scharfem Ingwer. Der liegt ja seit Alfons Schuhbeck ohnehin im Trend. Auch die Kaubonbons Maoam gehöhren seit 1986 zum Haribo-Imperium. Bislang gehörte diese Marke der Edmund Münster GmbH & Co. KG. Edmund Münster übernahm 1900 das "Düsseldorfer Lakritzenwerk". 1930 übernahm Münster die Lizenz für ein fruchtiges Kaubonbon aus dem Ausland. Zu Ostern 1931 gab es das erste Kaubonbon ohne Gummi, aus Zucker, Sirup und anderen Zutaten.
Hans Riegel gründete 1920 Haribo. Sein Startkapital waren ein Sack Zucker, eine Marmorplatte, ein Herd, ein Kupferkessel und eine Walze. In der Hinterhofwaschküche in Kessenich begann der Siegeszug von Haribo. 1921 stieg Gertrud Riegel, dessen Ehefrau, als erste Mitarbeiterin in die Firma ein. 1922 erfand Hans Riegel den Tanzbären, eine Bärenfigur aus Fruchtgummi. Die Form war nicht so stilisiert wie die heutige. Zwei Söhne und eine Tochter wurden geboren (1923 Hans Riegel, 1924 Anita Riegel, 1926 Paul Riegel). Der Zweite Weltkrieg unterbricht den rasanten Aufstieg der Firma und deren großartigen Werbespruch "Haribo macht Kinder froh". Die Rohstoffe waren knapp, Panzer rollten statt Süßigkeiten vom Band. 1945 stirbt der Firmengründer Hans Riegel mit nur 52 Jahren. Gertrud Riegel führte die Geschäfte f\'fcr ihn weiter. Der Wiederaufbau nach dem Krieg war hart. Wo 1930 noch 160 Mitarbeiter ihren Dienst taten, waren es 1945 nur noch 30. Nach wie vor waren die Rohstoffe knapp. 1946 kehrten die Brüder Hans und Paul Riegel aus der Kriegsgefangenschaft zurück und übernahmen die Firmenleitung. 1950 waren 1000 Mitarbeiter angestellt. Unerwarteterweise starb Paul Riegel im Jahre 2009. Sein Bruder Hans Riegel entwickelte die Werbung und gründete 1987 eine gemeinnützige Stiftung, die junge Talente fördert (www.hans-riegel-stiftung.com).
Haribo wurde mehrfach für die Qualität seiner Produkte ausgezeichnet. Zuletzt mit dem "HIT 2009" der Zeitschrift Lebensmittel Praxis.
(c) Corinna S. Heyn
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